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MASSIVE ATTACK – HELIGOLAND (VIRGIN)
Stagnation auf hohem Niveau.
Allzu lange Zeit zwischen Alben vergehen zu lassen birgt mannigfaltige Gefahren: mangelnde Einnahmen, schwindende Fanzahlen und vielleicht gar nicht zu erfüllende Erwartungen der verbliebenen Getreuen (Axl Rose könnte ein Lied davon singen und es in 10-15 Jahren veröffentlichen). Seit 100th Window sind 6 Jahre vergangen in denen sich musikalisch einiges getan hat und selbst der geneigte Hörer muss feststellen, dass Massive Attack darauf kaum reagieren. Erfreulicherweise bedeutet das zwar, dass sie das unsägliche 80er-Revival ignorieren, aber auch, dass sich, anders als etwa bei Portishead, das Warten nur bedingt gelohnt hat. Denn Heligoland hätte genausogut bereits direkt nach 100th Window oder Mezzanine erscheinen können. Schon damals waren alle Stilelemente und Sounds des Kollektivs um Robert del Naja an ihrem Platz, von den typischen Beats über grummelnde Bässe zu den Gastsängern. Diesmal sind es Damon Albarn, Hope Sandoval, Martina Topley-Bird, Guy Garvey, Tunde Adebimpe sowie natürlich Horace Andy, der mit „Girl I Love“ den besten Track des Albums dominiert – einen Song allerdings, der sich ebenso wie das auch sehr gute „Rush Minute“ durchaus bereits auf Massive Attacks Meisterwerk Mezzanine hätte befinden können, also klingt wie 1998. Ist das schlimm? Nein, denn diese und einige andere Songs, etwa Schlussnummer „Atlas Air“ (live noch „Marakesh“ betitelt) gehören zu den besten Massive Attack-Songs überhaupt. Ja, denn von einer Band, die sich bisher durch wegweisende Alben die wie nichts anderes klangen ausgezeichnet hat kann man mit Recht mehr erwarten als sich auf hohem Niveau zu wiederholen. Dass einige der interessantesten live vorgestellten neuen Nummern wie „Dobro“, „Marooned“ oder „All I Want“ es nicht auf Heligoland geschafft haben, macht die Sache auch nicht besser. Kurz: kein schlechtes Album, in etwa in der 100th Window- aber nicht annähernd in der Mezzanine-Klasse, weder an sich noch als Vorgabe für die Konkurrenz. Was allerdings auch nur die wenigsten Alben sind.
7.2.10 14:59


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JEFFREY LEE PIERCE SESSIONS PROJECT – WE ARE ONLY RIDERS (GLITTERHOUSE/INDIGO)
Faszinierende Interpretationen von Jeffrey Lee Pierces Nachlass.
Bei We Are Only Riders handelt es sich um nach dem frühen Tod des ehemaligen Gun Club Chefs aufgetauchte Songskizzen, aufgearbeitet von alten Freunden und Weggefährten. Eine gute Idee, denn nicht nur gehören die Songs zu JLPs besten, an dem Projekt waren auch nur Leute beteiligt, denen Pierce und seine Musik wirklich etwas bedeutete, was in so gut wie allen Interpretationen hörbar durchschlägt. Die drei unveröffentlichten Songs werden jeweils 3x interpretiert: „Ramblin‘ Mind“ von Nick Cave (düster), David Eugene Edwards (beschwingt) und Cypress Grove (entspannt). „Constant Waiting“ von Mark Lanegan (bedrohlich), Sadies (mit Westen Swing) und Johnny Dowd (exzentrisch). „Free To Walk“ von Raveonettes (wie MBV auf Methadon), Mark Lanegan & Isobel Campbell (C&W-Stil) und Nick Cave & Debbie Harry (als Folk-Blues). Allein die Unterschiedlichkeit dieser Interpretationen macht das Album bereits hörenswert, aber dazu kommen noch diverse Beiträge u.a. von Lydia Lunch und Mick Harvey sowie, als Höhepunkt, der genialen Crippled Black Phoenix, die sich den Songs weniger respektvoll als die meisten anderen Teilnehmer annähern dafür aber einmal allein („Bells On The River“) und einmal mit Edwards („Just Like A Mexican Love“) Pierces Songs in eine Sphäre kicken von der ihr Autor vielleicht nicht einmal geträumt hat, die ihm aber, darauf wette ich, gefallen hätten. Alleine dieser beiden Songs wegen schon ein Pflichtalbum, aber auch insgesamt ein exzellenter Tribut an einen der ihn verdient hat wie wenige andere.
7.2.10 14:59


PETER GABRIEL – SCRATCH MY BACK (VIRGIN)
Ich spiel Deine, Du spielst meine: Eine neue Idee für Coveralbums.
Um dem in die Tage gekommenen Konzept des Covers-Albums neuen Schwung zu verleihen entwickelte Peter Gabriel die Idee einer Art von Coverbörse, bei der er sich Songs von Interpreten vornehmen würde, die dann ihrerseits Gabriel-Songs covern würden und legt mit den 12 Songs von Scratch My Back gleich einiges vor. Um dem Album trotz recht unterschiedlicher Songwriter Einheit zu verleihen wurde die Musik ausschließlich für Orchester instrumentiert ; dass dadurch eine von Gabriels grössten Stärken, das Erschaffen interessanter Rhythmen, zu kurz kommt wird glücklicherweise durch die abwechslungsreichen Arrangements ausgeglichen. Angefangen mit Bowies „Heroes“ (dessen Helden in Gabriels elegischer Interpretation eher eine verlorene Zukunft beklagen zu scheinen, als eine heroische heraufzubeschwören) über brillante Versionen von Bon Ivers „Flume“ (arrangiert nur für Bläser) und „Listening Wind“ (Talking Heads, streicherlastig) bis zum Klavier- & Steicherbegleiteten Finale mit Radioheads „Street Spirit“ überzeugt fast jeder Titel – einzig Arcade Fires dramatischem „My Body Is A Cage“, einer Art Gospel-Song für Agnostiker, fehlt die rauhe Emotionalität und Kraft des Originals – zumal Gabriel seine superbe Stimme immer in den Dienst der jeweiligen Songs stellt . Somit wird Scratch My Back zu einem höchst geglückten Unternehmen und man darf gespannt sein ob das „Reaktionsalbum“ (And I Scratch Yours, auf dem u.a. Thom Yorke „Wallflower“ interpretieren wird) Gabriels eigenen Songs mit ähnlich gelungenen Versionen gerecht werden wird.
7.2.10 14:59


DAVID BOWIE – REALITY TOUR LIVE (COL)
Erstklassiger Live-Karriereüberblick jetzt auch auf CD.
Da sich Bowie seit einiger Zeit im inneren Exil zu befinden scheint und seit Reality (2003) nichts Neues veröffentlicht hat, die Fans aber bei der Stange gehalten werden müssen, häufen sich in letzter Zeit die Archivveröffentlichungen. Erfreulich, denn neben feinen Editionen der Frühwerke David Bowie und Space Oddity befanden sich darunter auch das grossartige Santa Monica Konzert von 1972 sowie der nicht minder hörenswerte VH1 Storytellers Auftritt von 1999. Nun folgt die bereits seit 2004 auf DVD vorliegende Reality Tour, erweitert um 3 Bonustracks, darunter ein tolles (aber viel zu kurzes) „Breaking Glass“. DVD-Besitzer wissen bereits um die Qualitäten des Konzertes, das einen exzellent gespielten Überblick über Bowies gesamte Karriere bietet, von frühen Songs wie „Life On Mars“ über selten live gespielte Songs wie „Sister Midnight“ oder „Be My Wife“ (besonders gut) bis zu den damals neuen Songs der Alben Heathen und Reality. Nur Bowies schauderhafte 80er-Phase wird weitgehend ausgespart, abgesehen von einer akzeptablen Version von „China Girl“ und einem exzellenten „Loving The Alien“ das laut Bowie immer schon so hätte klingen sollen; recht hat er. Fazit: fast genauso empfehlenswert wie die superbe DVD, die wahrscheinlich ohnehin alle Fans längst besitzen. Und als nächstes steht angeblich eine Special Edition von Stationtostation ins Haus – mit dem kompletten und phantastischen Nassau-Konzert von 1976. Bei solchen Schätzen kann man Bowies Ruhepause bestens überstehen.
7.2.10 15:00


TRICKY – MAXINEQUAYE (DELUXE EDITION) (ISLAND/UNIVERSAL)

Im Herzen der Finsternis: Ein epochales Debutwerk in erweiterter Edition.

Klar, 1995 war Tricky kein Unbekannter mehr. Seine Beiträge zu Massive Attacks Blue Lines gehörten zu den besten Momenten dieses bemerkenswerten Albums, und seine erste Solo-Single „Aftermath“ hatte auch bereits für Aufsehen gesorgt. Man versprach sich also einiges von seinem Debutalbum, aber was der Mann aus Bristol mit Maxinquaye dann ablieferte, war trotzdem ein Schock: nicht nur das abenteuerlichste Album des gesamten TripHop Genres nämlich, sondern das neben Scott Walkers Tilt und David Bowies Outside noch heute radikalste und beeindruckendste Album der gesamten 90er – was sich beim Wiederhören nach fast 15 Jahren einmal mehr bestätigt. Diese neue Edition klingt etwas schärfer und ist um eine Bonus-Disc mit B-Seiten und Remixes erweitert, deren Hauptverdienst es ist, zu zeigen, wie sorgfältig das originale, in jeder Hinsicht essentielle Album konstruiert wurde. Aus Samples und Loops von Isaac Hayes bis Smashing Pumpkins und mit einem zurecht gepriesenen Cover von Public Enemys „Black Steel“, vokal angereichert durch Martina Topley-Birds kühl-distanzierten Gesang und Trickys bedrohliches Raunen, mit unerwarteten Wendungen und Brüchen an allen Ecken und Enden, kryptisch und paranoid, zutiefst persönlich und eindringlich ist Maxinquaye eine Rechnung die nicht aufgeht, die bei jedem Hören einen geheimnisvollen, nicht zu dechiffrierenden Rest zurücklässt. Was vermutlich die anhaltende Faszination ausmacht, die dieses brillante, verstörende Album bis heute ausübt und wohl noch lange weiter ausüben wird.
28.11.09 17:08


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